Mit diesem Beitrag möchte ich euch kurz erklären, warum mir persönlich Bildung sehr wichtig ist und ich seit meinem Erststudium alles dafür tue, um geistig nicht zu verkommen, egal ob mit oder ohne Schicksalsschläge, Multiple Sklerose oder nicht.

Als ich damals an der Fachhochschule das erste Mal „Neuronale Netze“ hatte und die untenstehenden Informationen erhalten habe, ist mir etwas schummerig geworden.

  • Wie viel Prozent von unserem Gehirn nutzen wir?

Der Mensch benutzt höchstens 5 Prozent des Potenzials seines Geistes. Das ganze menschliche Potenzial ist das Produkt einer angemessenen Ausbildung.

  • Wie viel wissen wir über das Gehirn?

Laut dem Medizinnobelpreisträger Thomas Südhof von 2013 verstehen wir derzeit maximal fünf Prozent von dem, was im Gehirn vor sich geht.

  • Kann das Gehirn voll sein?

Die Festplatte eines Computers hat nur eine bestimmte Speicherkapazität zur Verfügung. Beim Gehirn ist das anders. Es werden ständig neue Nervenzellen gebildet und Verbindungen zwischen diesen Nervenzellen geknüpft, allerdings auch wieder gelöst. Wir lernen, aber wir vergessen auch wieder. Diese Vorgänge finden permanent während unseres ganzen Lebens statt.

  1. In der linken Gehirnhälfte ist der Sitz der Logik.
  2. Die rechte Gehirnhälfte ist verantwortlich für die Kreativität.
  • Wie viele Daten verarbeitet das Gehirn pro Sekunde?

Unser Gehirn kann in jeder Sekunde etwa elf Millionen Informationen aufzunehmen.
Das ist die gute Nachricht.
Die schlechte Nachricht lautet:

  • Gerade mal vierzig dieser Informationen können wir bewusst verarbeitet.
  • Wie lange kann das Gehirn lernen?

Bis die ersten Informationen als Impulse zwischen den Zellen ausgetauscht werden können, vergehen aber noch bis zu 24 Stunden. Man kann sich unser Gehirn wie eine große Insellandschaft vorstellen, wobei die Neuronen die Inseln sind. Diese sind untereinander mit Brücken, sogenannten Synapsen, verbunden.


Diese ganzen Informationen machen mir schon ein wenig Angst, denn diese Informationen sind nicht erst seit gestern bekannt, sondern schon etwas länger. Zu wissen, dass ich mein Gehirn mit einer 100%igen Leistung nur zu 5% benutze, deprimiert mich. Neugierig auf Wissen und die Wissenschaft an sich, war ich schon immer und immer noch, deshalb lerne ich auch das, wo mein Geist und Herz mich tragen, OHNE nur einmal zu hinterfragen ob ich es kann oder nicht.

Denn würde ich mir nur einmal diese Frage stellen, dann würde ich meine Zeit, die ich in etwas sinnvollerem investieren kann, verschwenden.

Wenn damals das Masterstudiengang „Bioinformatik und Systembiologie“ nicht für 1 Jahr ausgesetzt wäre, dann wäre ich mit Sicherheit in die Forensik gelandet. Doch das Leben hatte andere Pläne für mich. Dieser Plan kam 2011 mit der Diagnose Multiple Sklerose! Als mir im Krankenhaus (es war nicht meine Neurologin die ich schon seit 2011 bis jetzt, habe) gesagt wurde, dass mein Gehirn sich langsam mit der Zeit zersetzt, war mein erster Gedanke: „NICHT MIT MIR!

Warum?

  • Wie viele Nerven gibt es?

Das Gehirn besteht aus etwa 100 Milliarden Neuronen, manche Experten schätzen die Zahl auch auf bis zu 1 Billion (1.000.000.000.000)!

Weil unser Nervensystem und Nervenbahnen viele Straßen und viele Autobahnen. Wenn ich neue Läsionen / Herde / Vernarbungen aufgrund der Multiple Sklerose bekommen, dann sehe ich das im ersten Moment als schlimm an, denn der Körper muckt, doch im zweiten Augenblick wird mir bewusst, dass die entstandenen Läsionen wie eine kaputte Straße sind, die Autos sind unsere Gedanken. Es fahren so viele Autos, in dem Fall Gedanken, drüber bis wir die Straße Flicken oder eben eine neue nehmen müssen.

Nehmen wir die 100 Mrd. Neuronen im Gehirn, würde ich dafür plädieren, dass wir ganz ganz viele Möglichkeiten haben uns für, eine neue Ausfahrt, eine neue Straße, einen neuen Weg oder eine neue Autobahn zu entscheiden.

Natürlich ist ein Leben mit Multiple Sklerose kein einfaches, aber es ist auf jeden Fall lebenswert und mindestens so viel wert ist die Tatsache, dass es wichtig ist uns ständig weiterzuentwickeln. Keine Angst vor NEUEM zu haben. Wenn ihr Ingenieur, Arzt, Informatiker, Bäcker, Tänzer, Musiker uvm. werden wollt, dann tut es, egal was ihr denkt, dass euch im Weg steht. Probiert es aus, bildet euch weiter, das wichtig.

Ich hoffe euch mit diesen Informationen ein wenig Hoffnung geben zu können. Hoffnung geben, dass es nie zu spät ist, um das zu tun, zu lernen, zu werden, was man will.