VERTRAUEN IST DER ANFANG VON ALLEM

Was für ein Satz. Ein GROSSER Satz.
Auch wenn er in den 90er Jahren einmal von einer Bank als Slogan genutzt wurde, finde ich den Satz sehr vielschichtig und großartig. Es steckt so viel drin.

Der Satz kam mir sofort in den Sinn, als wir in einem Workshop der Initiative coroNarrative Mitte Oktober 2020 neue Narrative erarbeiteten. Zurückblickend auf eine Zeit, die uns sicher alle durchgeschüttelt hat. Sinn der Veranstaltung ist es, im Kollektiv Basiserzählungen zu entwickeln, die Menschen motivieren, in eine positive Richtung zu denken. Vor allem in Zeiten von Corona können so durch das Teilen mit anderen auch schmerzhaften Erfahrungen oder Wahrnehmungen in etwas Positives umgedeutet werden. So, dass es uns selbst und anderen Menschen Mut macht, hilft, und einen Erkenntnisgewinn beschert, aus dem wir für uns etwas ziehen können.

Vertrauen ist der Anfang von allem. Und Vertrauen ist etwas, das mir in der Corona-Zeit sehr geholfen hat. Allerdings in erster Linie das Vertrauen in mich selbst und dann auch in andere. Dazu möchte ich gern eine kleine Geschichte erzählen, wieso:

Als der Lock-Down uns alle Mitte April bereits 4 Wochen in eine Art vakuumierten Zustand versetzte, traf ich jemanden auf Twitter wieder, der in der Agentur, in der ich 2000-2004 arbeitete, Kunde war: Holger Gelhausen. Er lud mich ein, am nächsten Tag an seinem ganztägigen Barcamp „Leadership Circles“ teilzunehmen, was ich als Fenster zur Außenwelt sehr gern angenommen habe. Es eröffnete sich mir eine neue Welt. Und durch das fröhliche Vernetzen mit interessanten Menschen folgte kurz danach eine Veranstaltung nach der nächsten. Eine, die bei mir allerdings sehr viel bewegt hat, war das 24h lernOS Barcamp. Nachhaltig war Harald Schirmers Impuls, der dazu ermutigte, einfach mal etwas auf Twitter oder Linked-IN „zu wagen“ und „sich digital auszuprobieren“.

Das erste, was ich dachte: Darf man das? Natürlich gab es bei mir schon immer Twitter, Linked In & Co. Aber hey, ich bin Generation X, und sich selbst zu zeigen oder sich auszuprobieren kam da einfach nicht vor. Und das auch noch öffentlich in den sozialen Medien. Das kannte ich so (noch) nicht. Denn bislang kannte ich eigentlich nur die altbekannten aalglatten Chacka-Posts, mit denen ich in der Kommunikationsbranche groß geworden bin.

Und so kam es, dass Holger Gelhausen mich kurze Zeit nach unserem Wiedertreffen fragte, ob wir nicht eine Veranstaltung zum Thema Storytelling machen wollten. Sicher kann ich zum Thema Storytelling im Bereich Brands, HR und Employer Branding eine Menge erzählen, weil es Teil meiner Beratungsaufgabe ist, z.B. wie man eine glaubwürdige Arbeitgeber-Story entwickelt. Ich habe also einfach JA gesagt, ohne zu wissen, was ich da tue und was genau auf mich zukommt. Da war ich gerade in der Welt der Online-Events, Bar- und Lern-Camps angekommen und schon sollte ich selber Mitgründer eine eigenen Veranstaltung sein?

Durch zahlreiche Gespräche und Recherchen wurde schnell klar, wie vielschichtig Storytelling in seiner Bedeutung und Verwendung ist. In den unterschiedlichen Bereichen, in denen Storytelling verwendet wird, gibt es nicht nur unterschiedliche Ansätze und Methoden, sondern auch ein unterschiedliches Verständnis. Puuuh – und schon meldeten sich die Selbstzweifel. Und zwar nicht zu knapp. Ich bin ja schließlich auf anderen Gebieten nicht Experte.

Da erinnerte ich mich ganz besonders an die Worte aus dem lernOS Barcamp-Impuls: „… digital einfach mal was ausprobieren“. Darüber hinaus habe ich mich durch das Wiedertreffen mit Holger und die vielen damit verbundenen Gespräche getraut. Ich habe in dieser Zeit gelernt, nicht alles wissen und 100%ig kennen zu müssen. Die Idee, einfach ein Event zu organisieren, wo wir alle gemeinsam etwas Neues lernen und uns einem Thema annähern, es erörtern, unterschiedliche Erfahrungen mit diesem  Thema teilen und daraus gemeinsam auch neue Erkenntnisse gewinnen, wäre mir früher nie in den Sinn gekommen. Warum? Früher hätte ich das als halb-gar bezeichnet. Heute weiß ich, dass man sich auch einfach treffen kann, um sich gemeinsam in eine neue Richtung zu bewegen, seine Gedanken mit an den Tisch zu bringen und sich gegenseitig zu inspirieren.

Vor allem mit Geschichten.

Und eines haben wir alle gemeinsam in der digitalen Welt gelernt: Wir lernen nicht mit Fakten, sondern durch Authentische Geschichten. So entstand mit Holger die Idee #storiesthatmatter. Zielgruppe: Für alle, die Neues kommunizieren. Genau das ist von vielen Menschen ein Anliegen, weil genau da so viel schief laufen kann. Jede und jeder, dem ich erzählte, dass wir ein Event planen, dass sich nur mit dem Thema Storytelling beschäftigt, war sofort begeistert. Und so wurde auch mir das Vertrauen entgegengebracht, dass da etwas Gutes entsteht. Es hat mich daher sehr berührt, dass für dieses Event alle Menschen zugesagt haben, die ich gefragt habe, ob sie eine Session oder einen Impuls geben möchten.

Diese Begeisterung zu spüren, Mitstreiter zu gewinnen, das hat etwas sehr Beflügelndes. So gab es diese vielen sehr vertrauensvollen Austausche im Vorfeld, um Themen für die Sessions zu erörtern und zu diskutieren. U. a. mit Menschen, die ich nur „digital“ aus der Twitter-Bubble oder von digitalen Meet-ups kenne. Irgendwie scheint digital aber dennoch auch etwas zu entstehen, wenn sich immer wieder die Wege kreuzen, in Break-Outs, auf Events, Meet-ups oder sei es auch einfach nur ein wertschätzender Kommentar.

Ja!

Es entsteht Vertrauen. Dem Vertrauen ist es nämlich egal, wie es geschenkt wird, ob analog oder digital. Es ist der Nährboden, auf dem das Event #storiesthatmatter entstanden ist – mit neuen Impulsen, neuen Verbindungen und einer Offenheit Ideen gegenüber, die ich aus meiner strengen und getriebenen Werbewelt so nicht kannte. Auch Vertrauen, andere einzuladen, in ihrer Session oder in ihrem Impuls etwas Neues auszuprobieren, war mir so aus einer Welt, in der alles perfekt vororchestriert sein muss, so nicht geläufig. Die Dynamik, die daraus entsteht – der Raum, der bleibt, auf Spontanes reagieren zu können und gemeinsam neue Erfahrungen zu machen, ist großartig.

Denn dann, wenn die Menschen merken, sie bekommen Vertrauen geschenkt, bekommt man genau das auch zurück und es entsteht etwas. Etwas, das berührt. Und das verbindet uns. Jetzt werden viele sicher sagen „nix Neues“. Sicher richtig. Es ist einfach eine Erfahrung, die ich machen durfte mit vielen wertvollen Menschen. Sehr kostbar sind für mich die Verbindungen, die aus der ganzen gemeinsamen Entwicklung in dieser Storytelling-Lernreise entstanden sind.

Sich Vertrauen schenken ist der Anfang davon, dass man etwas Tolles auf die Beine stellt, das man vorher nie gemacht hätte. Es schafft eine neue Qualität an Verbindungen. Und fordert gerade jetzt in der digitalen Welt etwas „Vorschuss“ von uns, wenn wir in den Kontakt mit anderen Menschen gehen. Corona hat dieses Momentum durch Solidarität und dem Bewusstsein, dass wir alle gemeinsame Erfahrungen machen, noch größer gemacht. Hoffentlich ist es der Anfang von etwas, das bleibt und uns im Vertrauen immer fragen lässt: „Was ist sonst noch möglich?“

Ich bin sehr dankbar, dass ich diese Erfahrung machen durfte. Und danke an Dich, liebe Claudia, dass Du Teil dieses Weges warst und bist.

Das ist meine sehr persönliche Geschichte, die vielleicht nicht viral ist – aber die Gedankenkraft innehat, die es für mich brauchte, um nach vorn zu schauen und nicht stehen zu bleiben.

DANKE DAFÜR.

Tobias Grewe