Es ist ein komisches Gefühl über den Faktor Zeit zu schreiben oder zu reden, denn dieser Faktor ist nicht nur beliebig definierbar, sondern leider auch in den meisten Fällen sehr unberechenbar. Ich merke schon, seitdem meine „neue“ so aufregende Lernreise begonnen hat, habe ich das Bedürfnis über gewisse Dinge zu schreiben, die ich mich vorher so hätte nie getraut.

Doch warum schreibe ich diesen Beitrag mit dem komischen Titel? Nun, weil meine Arbeitswelt seit meiner Diagnose eine andere wie vorher ist. Anders, flexibler, mit produktiveren Phasen, aber auch mit weniger produktiven Phasen. Doch mein wichtigster Punkt warum ich euch ein kurzer Einblick in meinem Arbeitsablauf gebe, ist weil man da draußen nur das „beurteilen“ kann was man liest und die einzelne Person von sich Preisgibt.

Doch bin ich unendlich froh, dass mich in der digitalen Welt Menschen auch „persönlich“ kennen, so Face to Face und so.

Ich weiß nicht wie viele Menschlein von euch, sich für etwas wofür man nichts kann, geschämt haben. Wann tritt denn der Punkt des Schams ein? Nun meine Definition und Empfindung ist, genau ab dem Moment, wo man anfängt falsche Gedanken zu spinnen. Man glaubt, man sei nicht so wie andere einem gerne sehen / haben würden. Genau, aber DAS musste ich erstmal lernen, dass es nur meine negativen Gedanken sind, die mich das glauben lassen.

Dieses Gefährt (mein Daheim-Begleiter) ließ mich an meinen Kompetenzen zweifeln, denn mit ihm fühle ich Zuhause irgendwie schlecht, nicht ganz.

Doch was genau bedeutet das für mein Beruf?

Heißt es ich bin weniger kompetent, oder weniger WERTVOLL in dem was ich tue?

NEIN, ich denke nicht!

Nun zu meiner Arbeit und mein Ablauf. Seitdem ich verheiratet bin, arbeitete ich als Angestellte in Teilzeit, nun arbeite ich als Selbständige, mal Vollzeit, mal Teilzeit.

Wie das funktioniert?

Nun, da meine Multiple Sklerose keinen festen Tagesablauf hat, muss (wäre toll), wenn ich mich in den meisten Fällen nach ihr richten würde, da sie dann so weniger „aufmuckt“.

Geregelte Arbeitszeit?

Die hatte ich seit meinen Zeiten als Angestellte nicht mehr.
Jeden Morgen heißt es bei mir schon die letzten Jahre „SURPRISE, SURPRISE“!
Ich weiß nie was mich morgens für eine Laune meiner MS erwartet.
Mal komme ich gar nicht aus dem Bett und brauche bei jeder Kleinigkeit Hilfe.
Mal funktioniert es morgens gut und im Laufe des Tages dann bin ich wie tot und muss mich hinlegen.
Mal habe ich sehr sehr selten Tage, da fühlt sich fast alles an wie immer, aber diese kommen sehr sehr selten vor.

Doch für mich und meine Arbeit ist nicht relevant ob ich geregelte Arbeitszeiten habe, sondern relevant ist die Tatsache wie viel Herzblut in meiner Arbeit steckt.

Mit der Zeit habe ich mich damit arrangiert (auch wenn schweren Herzens und wenn nicht ganz zu 100 %), dass ich dann meine Arbeit erledige, wann ich kann und der Leidensdruck nicht gerade überm Maximum liegt. Die Zeiten, in denen ich kann, dafür nutze, einen guten Job zu machen.

Doch eines ist sicher, ich brauche ein dickes Fell, um gegen viele Vorurteile ankämpfen zu können. Es ist nicht immer leicht, sich zu erklären, sich zu rechtfertigen und schon gar nicht damit zu leben, dass man ignoriert wird „NUR“, weil ich schwer erkrankt ist. Dann noch einen guten Job zu machen, einen mit viel Leidenschaft und Mut, ist gar nicht mal leicht.

Umso mehr freue ich mich Menschen an meiner Seite zu haben, die mich GENAUSO akzeptieren wie ich bin.

Also stehe ich auf – na gut, so gut es eben geht, sonst krabbele ich in meinen jüngsten Jahre – richte mein Krönchen, geh raus und mache einen guten Job, dieser ist, wunderbaren Menschen eine Plattform zu bieten wo sie andere Menschen inspirieren können, vielleicht ein Fünkchen Hoffnung schenken können, wenn die Hoffnung sie verlassen hat.

Natürlich ist es nicht immer einfach, aber einfacher, wenn man gut improvisieren kann und Spaß an dem hat was man tut. Also traut euch über eure Ängste, über eure Hürden zu sprechen, versucht aufzustehen auch wenn es heißt ihr fallt immer mal wieder hin.