..doch das ist alles andere als einfach, denn in schwere Zeiten auch noch etwas positivem abgewinnen können, erfordert Mut und naja, sagen wir es mal: eine kleine Portion Verrücktheit nicht alles in Frage zu stellen, denn je länger man grübelt, sich fragt ob das auch so richtig ist, umso weniger wird man den Mut haben Dinge zu verändern.

Als Corona (Sars-Cov-2; Covid-19; oder welchen Namen dieser Virus auch trägt) anfing, waren wir alle mehr als desorientiert. Wussten nicht was uns erwartet, wir waren mit neuen Situationen konfrontiert. Für mein Mann etwas schwieriger, als für mich. Ich habe eine Revolution mitgemacht, zwei Abschiebungen hinter mir, also das „Ungewisse“ war mir ein Begriff und konnte mich relativ gut/schnell, anpassen.

Doch auch mir machte eine bestimmte Sache zu schaffen:

  • Meine Multiple Sklerose

Denn mit einer Tatsache habe ich nicht gerechnet, dass sie sich seit Anfang des Jahres so sehr verschlechtert, dass ich relativ schnell an meinen eigenen Grenzen stoße. Natürlich hätte ich viele Möglichkeiten gehabt wie ich darauf hätte reagieren können. z.B. hätte ich verzweifeln (gut das tat/tue ich so oder so) können, auch hätte ich die kostbare Zeit darin investieren können, mich zu fragen warum immer ich (auch das frage ich mich ab und zu), doch mein erster Impuls war:

  • Was kann ich tun, damit sich andere nicht alleine gelassen fühlen, in dieser schwierigen Coronazeit?“,
  • Wie kann ich helfen, damit die Menschen da draußen ein stückweit das Gefühl bekommen, sie sind nicht alleine und wir stehen es gemeinsam durch!

Dann kam aus dem Nichts der #WirVsVirus #Hackathon. Natürlich fackelte ich nicht lange und meldete mich an, in dem Wissen, dass ich wohl relative Schwierigkeiten haben werde die 48 Stunden durchzuhalten, denn die Schmerzen, die mich in die Knie gezwungen haben, waren nicht auszuhalten. Doch eines war für mich größer, das Verlangen danach NEUES dazuzulernen und gleichzeitig etwas Gutes tun. Das hat mich keine Sekunde zögern lassen, ob ich mich dieser Aufgabe gewachsen fühle, am Hackathon mitzumachen, oder nicht.

Also nahm ich zuerst als „Teilnehmerin“ teil, doch meine Idee vom Blogmagazin kam gut an und prompt wurde aus einer Idee ein eigenständiges Projekt, worüber ich bis heute noch sehr dankbar bin. Auch wenn für plötzlich aus der „passiven“ Teilnehmerin eine „aktive“ Projektgeberin wurde. So war nicht nur der Druck größer, sondern auch die Herausforderung, doch eines war klar (wie immer in meinem Leben und darauf vertraue ich), „nichts passiert ohne Grund!

So entstand „Virale Gedankenkraft – Das Blogmagazin“!

Schnell merkte ich, dass dieser Weg der richtige Weg für mich war, es war eine gute Ablenkung und konnte so gleichzeitig auch meinen größten Traum erfüllen. Menschen eine „Plattform“, eine Möglichkeit bieten zu können wo sie ihre eigenen Gedanken, ihre einzigartigen Geschichten, erzählen und niederschreiben können.

Doch leider stieß das nicht immer auf Jubelrufe. Es kamen auch mal rauere Töne raus die mich ab und zu verletzt haben. Na klar sollte es das nicht, doch vielleicht lag es an den Schmerzen, vielleicht auch weil ich durch die Schmerzen einfach nur mega „sensibel“ war.

Worauf ich hinaus will ist auf der einen Seite die bittere Tatsache, auf der anderen Seite sich aber für mich eine neue, unglaublich inspirierende, eröffnende Möglichkeit, bot. Seit Anfang des Jahres nahm ich Abstand von der „MS-Community“, nicht weil ich keine Lust mehr auf diese hatte, sondern weil mich die Kräfte verließen und ich nicht mehr im ständigen Kampf stehen wollte. Denn eine Community, von der ich dachte, dass sie da ist um „aufgefangen“ zu werden, eine mit der man sich austauschen kann ohne BEWERTET zu werden, hat sich mit der Zeit so arg und in eine für mich nicht mehr akzeptable Richtung, verändert, dass ich aus Selbstschutz mich zurückgezogen hatte.

Es tat mir im Herzen weh zu lesen, mitzubekommen welchen Konkurrenzkampf mit der Zeit entstanden ist, getreu nach dem Motto, wer kann höher, schneller, besser irgendwelche Beiträge für Blogs schreiben, Kooperationen eingehen, und und und. Das war nicht mehr meine Welt, in der ich mich wohlfühlte, denn ich brauchte und brauche Menschen um mich herum mit denen ich in eine gemeinsame Richtung blicken kann. Ohne ständig im Hinterkopf haben zu müssen „DER/DIE sind aber viel besser, können viel bessere Sachen, meistern die MS viel besser, etc.!“, denn wir sollten voneinander lernen und nicht uns gegenseitig im Weg stehen.

Als mich dann die liebe Katharina Nolden anschrieb und fragte ob ich beim CoroNarrative-Workshop mit dabei sein möchte, hatte ich keine Sekunde gezögert, so sagte ich sofort zu.

Was soll ich sagen?

Es war das Beste was mir je passieren konnte, es war der Beginn einer kleinen Traumreise. Denn bis jetzt konnte ich wunderbare Menschen kennenlernen, wie z.B. auf dem #LLLCamp oder auf dem #loscam20 und dann auch noch eine Menge dazu lernen. Es war genau das was ich wohl gebraucht habe und was mir gut tat. Denn allein darauf kommt es an, ob sich etwas GUT oder SCHLECHT, anfühlt.

In diesem Moment bin ich voller Dankbarkeit und Liebe umgeben. Ich wünsche mir, dieser Weg wird noch eine Weile andauern. Mit wundervollen Begegnungen, mit viele Möglichkeiten Neues dazu lernen zu dürfen und vor allem mit Menschen tolle, berührende Geschichten, erzählen zu dürfen. Deshalb habe ich Ende März das Blogmagazin gegründet und auch deshalb die Entscheidung getroffen, mein „Corona-MultipleSklerose-Weg“ auf Papier (in Form eines Buches) zu bringen.

Lasst uns gemeinsam Mutgeschichten schreiben.
Geschichten die inspirieren und Menschen dazu animiert nicht aufzugeben, egal wie Steinig der Lebensweg auch werden würde, denn mit der nötigen Leidenschaft und Herzblut kann man unmögliches möglich machen.